Gedicht: skizze

Gepostet Von am Mrz 22, 2015 | Keine Kommentare


skizze

ich habe angst, zu enden als erscheinung, die mal kommt und wieder geht.
ohne eine spur zu hinterlassen.
keine träume, keine wunde, keine träne.
nichts.

ich missbrauche dich für meine zwecke.
male dir mit neon-farben ein bild von mir, das du glauben musst.
nur, damit etwas bleibt auf dieser welt, wenn ich gehe,
in dir.

nur, um mir sicher zu sein, dass es wenigstens einen gibt, der an meinem grab weint.
damit auch nur einer die konturen meines gesichts nachzeichen kann,
wenn auch nur schemenhaft, idealisiert,
verklärt.

erinnerungen sind nicht die abbilder des vergangenen.
sie sind gebilde, geformt aus unseren gefühlen, die wir so lange vor unserem geistigen auge wiederholen,
bis wir sie selbst für real halten

und keine andere vergangenheit mehr zu kennen glauben, als die eigene skizze.
eine verherrlichung der klippen, abgründe und sonnenstrahlen,
von denen wir glauben, ihnen einst begegnet zu sein.

so lange, bis neue bilder entstehen, die die alten überdecken und verfälschen.
bis am ende ein einziges grau aus gegensätzen uns vernebelt und unseren geist in die leere treibt.

© Jenny Hoffmann, 2012

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